Nachdem wir von Ecuador nach Chachapoyas 2 Tage im Bus verbracht haben, wollen wir die einzigartige Landschaft nun endlich selbst bewandern. Deshalb buchen wir bei José, dem netten Besitzer des zu empfehlenden Backpackers Hostel, gleich mal 2 Touren die es in der Umgebung gibt. Tags darauf besuchen wir den naheliegenden Gocta Wasserfall. Mit 771 Metern Höhe ist er gerade der 5.-höchste Wasserfall der Welt (nach neuen Berechnungen wurde er von Platz 3 verdrängt). Doch nicht nur der Wasserfall beeindruckt uns, es ist die unfassbare Weite, die Schluchten und die riesigen Berge. Das alles ist jedoch nur ein kleiner Vorgeschmack auf die nächsten Tage, die uns auf einer 4-Tagestour erwarten sollen.

Wasserfall "Gocta"

Wasserfall “Gocta”

Wir sind die einzigen, die die Tour “Gran Vilaya” buchten. Daher haben wir einen Guide und einen Fahrer nur für uns. Hernando macht als Guide mit seinem Adidas-Jogginganzug einen eigenartigen Eindruck auf uns. Wir fahren auf Schotterwegen zum “Pueblo de los Muertos”. Ein 30-minütiger, steiler Weg führt uns zu Überresten einiger Steinhütten mitten in einer Felswand. Meine Frage, ob im Pueblo de los Muertos auch Menschen wohnen, hat sich damit erübrigt. Die Chachapoyas (übersetzt Wolkenmenschen) haben ihre Toten so weit ab wie möglich in ein Steilhang verfrachtet und dafür ihr eigenes Leben riskiert. Von der Grabstätte ist nicht mehr viel übrig, aber wir haben wieder eine tolle Aussicht auf den Gocta Wasserfall.

Gefahren beim Begehen des Pueblo de los Muertos

Gefahren beim Begehen des Pueblo de los Muertos

Perus Canyons sind atemberaubend

Perus Canyons sind atemberaubend

Danach besuchen wir noch die Sarkophage von Karajia, in denen sich noch heute die Mumien wichtiger Persönlichkeiten befinden. Unser Nachtlager liegt im Valle de Belen, einem der schönsten Orte, den wir auf unserer Reise gesehen haben. Und wir haben diesen Ort ganz für uns allein. Da kann man auch mal über den (nicht vorhandenen) Komfort der Unterkunft hinweg sehen. Kein Strom, kein fließendes Wasser, zweifelhaftes Besteck, nur ein gemachtes Bett, das wir uns letztendlich teilen.

Valle de Belen

Valle de Belen

Als wir aufwachen, sehen wir schon die ersten Sonnenstrahlen und eine Kuh vor unserem Fenster vorbei laufen. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg ins 18 km weiter gelegene Congon. Ohne viel Spektakel erklärt uns Hernando, dass wir übrigens gerade Inka-Wege begehen. An manchen Stellen sind diese sogar besser als viele der peruanischen Gehwege, andere Abschnitte sind jedoch so schlecht, dass sie bei Regen gefährlich werden könnten. Aber die Sonne scheint.

Inkaweg

Inkaweg

Auf halbem Weg machen wir einen Abstecher mitten in den Dschungel. Wege gibt es nicht. Dafür Ruinen einer verlassenen Stadt der Chachapoyas, die übrigens fast alle nach eintreffen der Spanier an Mumps und Masern gestorben sind. Laut Hernando lebten zu Zeiten der Chachapoyas in der Region mehr Menschen als heute.

Pirquilla -  Chachapoyas Ruinen

Pirquilla – Chachapoyas Ruinen


Am Abend treffen wir gut gelaunt im Bergdorf Congon, fern jeglicher Zivilisation, ein. Doch zu unserem erstaunen gibt es warmes Wasser durch einen elektrischen Duschkopf und eine Toilette mit toller Aussicht. Wir werden mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt und zum krönenden Abschluss gibt es Spaghetti (sonst gibt es nur Reis, Hühnchen, Fleisch – Nein, Hühnchen steht auf der peruanischen Karte nicht unter Fleisch!) und dazu frisch gebrühten Kaffee aus Congon Kaffeebohnen! Früh geht es ins Bett, denn am nächsten Tag stehen uns 28 km Marsch bevor!

Congon im Sonnenuntergang

Congon im Sonnenuntergang

Rustikal, rustikal Herr Nachbar

Rustikal, rustikal Herr Nachbar

Kaffeebohnen trocknen vor unserer Unterkunft

Kaffeebohnen trocknen vor unserer Unterkunft

Gestärkt nach einem traditionellen Frühstück mit Congon-Kaffee geht es los. Für uns und Hernando werden 2 Pferde bereit gestellt und wir sind schon ein wenig verunsichert, da wir beide noch nie auf einem Pferd gesessen haben. Letztendlich stellen sich die gebuchten Pferde als Esel heraus, aber auch gut. Meines ist nett 🙂 2 Jungs begleiten uns für die nächsten 18 km (von denen fast die komplette Strecke bergauf geht) und wir wechseln uns mit dem reiten ab. Ja okay, ich habe den Mädchen-Bonus 🙂

Bergtour in den Anden

Bergtour in den Anden

Unsere Mittagspause machen wir nach etwa 3 Stunden in wahrscheinlich der einzigen Hütte auf der ganzen Strecke. Eine ältere, liebe Frau hat draußen ihre Hexenkessel aufgesetzt und wir haben ein wenig Angst vor dem Ergebnis. Außer uns sind ein kleiner Junge, Hühner, Küken, und Hundewelpen anwesend. Es gibt eine Suppe mit vielen unbekannten Zutaten und Reis mit einem orangen Gemüse, dass nur auf dieser Höhe wächst. Es schmeckt “anders”, an Chris seinem Blick erkenne ich Unsicherheit, aber wir können die Frau nicht enttäuschen und loben ihre Küche in den Himmel und sie lächelt glücklich.

Hier vespern wir

Hier vespern wir

Nach einem harten Marsch (die Esel sind meiner Meinung kurz vorm Zusammenbruch und ich steige hin und wieder ab) erreichen wir Yumal Town. Von Stadt ist keine Spur, wir stehen an einem Aussichtspunkt. Die letzten 10km nach Choctamal geht es fast ausschließlich bergab. In nur 3 Tagen haben wir so viele verschiedene Landschaftszonen durchwandert ohne einem einzigen Touristen zu begegnen. Für uns hat sich die Tour schon jetzt gelohnt und wir freuen uns auf unseren letzten Tag.

Die Mauern von Kuelap

Die Mauern von Kuelap

Als wir aufstehen, regnet es, aber heute müssen wir nicht viel wandern. Generell würde ich die Tour bei Regen abraten, die Strecke ist an manchen Stellen so steil und es kommt vor, dass die Tiere auch mal ausrutschen.

Die Ruinen von Kuelap

Die Ruinen von Kuelap

Um 10 werden wir von einem Bus mit Touristen abgeholt und fahren 40 min weiter zu der Festung Kuelap. Sie ist eine der wichtigsten Bauten in Peru und heute kann man noch einige der fast 1000 Jahre alten Ruinen betrachten. Sie wurde von den Chachapoyas errichtet und konnte bis zu 2000 Menschen beherbergen. Auch wenn die Tour etwas touristisch ist (kein Vergleich zu Macchu Picchu), ist der Tag ein guter Abschluss um die Kultur und Geschichte der Chachapoyas, Inka und zuletzt den Spaniern zu begreifen. Am Abend fahren wir erschöpft und mit 500 Bildern mehr in der Tasche zurück nach Chachapoyas.

Lama in Kuelap

Lama in Kuelap