Die mehrtägige Wanderung um Chachapoyas hat uns doch einiges abverlangt, denn kurz darauf ging es mit der Gesundheit bergab. Natürlich kann es auch an den niedrigeren Temperaturen liegen, denen man durch die Höhen von über 3000m ständig ausgesetzt ist. Außerdem gab es da noch einen Unfall.

Fahrender Meinungsverstärker

Fahrender Meinungsverstärker

Involviert waren Chrissis Haare, eine vermutlich selbst ernannte Friseuse und viele Tränen. Spätestens jetzt war es Zeit, zu gehen.

Jedenfalls ist unser nächstes Ziel nach Chachapoyas die geschichtsträchtige Stadt Cajamarca. Die Orte liegen 128 km auseinander, wie der Kondor fliegt. Der Bus benötigt für diese landschaftlich atemberaubende Strecke jedoch etwa acht Stunden (laut Google ca. 300 km). Immerhin geht’s mehrmals von Bergkamm ins Tal und wieder hoch. Wir müssen schlechtes Karma haben, denn um uns herum sitzen vor, hinter und neben uns Kinder unterschiedlichen Alters aber gleicher Empfindlichkeit gegenüber kurvenreicher Busfahrten. Und so übergeben sie sich abwechselnd. Kleine Plastiktüten verhindern das schlimmste, aber schlussendlich, dank Kurven und Gestank, geht es uns auch schon auf den Magen. So sind wir sehr froh, als wir endlich ankommen. Zumindest fast.

Serpentinenstraße zwischen Chachapoyas und Cajamarca

Serpentinenstraße zwischen Chachapoyas und Cajamarca

Wir müssen umsteigen und somit ein paar Stunden Pause. Diese verbringen wir mit einem Almuerzo (Mittagessen). Im Nachhinein das schlimmste Essen, was wir auf der Reise hatten – selbst das Hexenhäuschen auf unserer Wanderung hatte besser schmeckendes und gesünderes bzw. verträglicheres Essen aufgetischt.

In Cajamarca angekommen, sind die ersten zwei Hostels, die wir samt Backpacks anlaufen komplett ausgebucht. Im dritten bekommen wir noch ein Einzelbett für eine Nacht, welches wir uns teilen.

Sommer in Cajamarca

Sommer in Cajamarca

Am Tag darauf beschließen wir, dass ein paar Tage Entspannung und gutes Essen die einzige Möglichkeit ist, zu genesen. Und so ziehen wir in ein gehobenes Hotel um, samt warmen Wasser und gemütlichen Bett. Wir lernen, dass Cajamarca auch für Peruaner ein Urlaubsziel ist. Und, dass gerade Nationaltag ist, samt Ferien. Dieser Umstand war dann natürlich auch der Grund, warum es schwer war, eine Unterkunft zu finden. Einen Sitzplatz im Bus Richtung Huaraz (über Trujillo) konnten wir auch erst einen Tag später, als geplant ergattern.

In Trujillo mussten wir dann auch zwei Busgesellschaften anlaufen, da ebenfalls alles ausgebucht war. Das alles nervte uns langsam und wir erinnern uns sehnsüchtig zurück an die kurzen und vergleichsweise problemlosen Reisen in Ecuador und Kolumbien.

Huaraz erreichen wir Morgens kurz nach Fünf, der Taxifahrer kennt unser Hostel. Wir klingeln verlegen und einige Minuten später öffnet man uns die Tür. Wir entschuldigen uns (Check-In eigentlich um 11 Uhr, nicht sechs Stunden vorher). Die kleingewachsene, indigen anmutende Dame begrüßt uns trotz allem freundlich. Irgendwie hat sie in ihrer Hasst ihren Rock linksverkehrt herum angezogen – aber um die Uhrzeit kann man es ihr nicht verübeln 🙂 Wir kriegen ein paar Decken und einen Platz auf der Couch ganz oben im Haus, im Gemeinschaftsraum. Hier ist es gemütlich, es gibt sogar einen Kamin.

Als wir aufwachen, herrscht um uns herum schon reges Treiben. Teller klappern, es riecht nach Café, Gespräche. Das halbe Hostel ist schon auf den Beinen, stellen wir fest, als wir aus unserer Wolldecke heraus blinzeln. Bald darauf sitzen wir verschlafen aber glücklich, angekommen zu sein, auf der Dachterrasse des Hostels. Auch wir genießen das Frühstück, die Sonnenbrillen auf der Nase, die wärmende Sonne auf der Haut.
Und wow, was für ein Anblick uns die Cordillera Blanca, der Gebirgszug vor den Toren von Huaraz, bietet!

Huaraz Ausblick von Frühstücksterrasse

Huaraz Ausblick von Frühstücksterrasse