Der letzte Eintrag ist jetzt eine Woche her. Vier Tage davon verbrachten wir mit der Suche der “Verlorenen Stadt” (span. Ciudad Perdida).

Vom schönen Cartagena aus bewegen wir uns für ein paar Tage nach Santa Marta. Dort wird ein ehemaliges Kartell-Haus aus dem Zirkel von Pablo Escobar unser Basislager.

Unweit von Santa Marta liegt das Fischerdorf Taganga, wo wir einen Abend mit Bekannten aus Paris verbringen. Taganga steht hoch im Kurs bei Backpackern, bietet es doch eine entspannte Atmosphäre direkt am Meer, Parties und unzählige Tauch-Stationen.

Bereits beim Segeln von Panama nach Kolumbien beschließen wir, Ciudad Perdida zu besuchen. Unser Reiseführer warnt vor einem anstrengenden Pfad durch den Dschungel mit allem was dazu gehört: Mücken, beißenden Raupen, Schlangen, brusthohe Flussdurchquerungen, matschige Untergründe, etc. etc.

Über 300 Terrassen gibt es

Über 200 Terrassen gibt es

Abenteuerlich, aber die Anstrengungen sollen sich mehr als lohnen. Die Stadt wurde bereits vor etwa eintausend Jahren mitten im Dschungel erbaut und vom Tayrona-Stamm bis zum Eintreffen der Spanier um 1670 bewohnt. Sie wurde aufgrund von eingeschleppten Seuchen &  Krankheiten aufgegeben. Es lebten schätzungsweise bis zu 8000 Menschen in diesem Kultur- &  Handelszentrum der Sierra Nevada de Santa Marta.
Die Stadt galt für 400 Jahre verloren und wurde in den 1970er durch Grabräuber und später der Regierung wiederentdeckt und zugänglich gemacht. Zwischenzeitlich konnte man die Stadt nur bedingt besuchen, da die FARC (Guirilla-Gruppe) hier aktiv war. Seit 2005 steigt die Sicherheit und die Besucherzahlen.

In unserem Hostel wird eine 4-tägige Tour angeboten, die ausschließlich durch Ureinwohner, den Wiwas durchgeführt wird. Um 8 Uhr morgens werden wir abgeholt und schon geht’s los. Zumindest fast. Auf einem Parkplatz warten wir typisch kolumbianische zwei Stunden auf die Mitreisenden & den Fahrer. Chrissi bekommt auch noch einen feschen Rucksack für die Wanderung geliehen (man musste auch nur drei mal Fragen).

Urwaldblümchen

Urwaldblümchen

Die Wanderung beginnt mit einer kurzen Einweisung an der Karte. Vom Ort “Machete” wandern wir zwei Tage zur Stadt (24 km) und denselben Weg zurück.

Die ersten Kilometer geht es ausschließlich bergauf. Die zwei Wiwa-Guides laufen mit Leichtigkeit den extrem steilen Weg hinauf; wir hingegen schwitzen uns die Seele aus dem Leib. Immerhin sind es mehr als 30°C und 85% Luftfeuchtigkeit. Eine kurze Abkühlung boten die Piscinas (span. Schwimmbecken) – ein kurzer Sprung in den Fluss – leider aber nur für den Moment.

Erschöpft erreichen wir das erste Camp. Der Koch trifft schon vor uns ein und bereitet auf offenem Feuer Reis mit frischem Hühnchen zu. Als Nachspeise gibt es sogar an diesem abgelegenen Ort einen Schokoriegel. Nach Yoga, unsere Gruppe kennenlernen, eiskalter Dusche und Frösche beim Abendessen zusehen, geht’s ab in das komfortable Schlafgemach – einer Hängematte mit Moskito-Netz.

Jedes "Bett" kommt mit Moskitonetz

Jedes “Bett” kommt mit Moskitonetz

Truthahn im Sack

Truthahn im Sack

Um 5.00 Uhr klingelt der Wiwa-Wecker, “Buenos Dias, Buenos Dias”. Wir frühstücken und mit “Vamos Chicos?” geht es auch schon los mit den zweiten Tag Richtung Ciudad Perdida.

Uns begegnen Schulkinder im typischen weißen Wiwa-Outfit, Esel, Pferde, Hausschweinchen, Hunde, eine Schlange und sehen einige Adler. Es geht immer wieder steil bergauf, steil bergab, durch Flüsse und Bäche, über Viehwiesen und mitten durch den Dschungel.

Grün soweit man sehen kann

Grün soweit man sehen kann

Häuschen im Grünen

Häuschen im Grünen

José & Manuel

José & Manuel

Nach 7 bis 8 Stunden erreichen wir das letzte Lager vor der Ciudad Perdida – oder, wie wir an diesem Abend lernen, von den Ureinwohnern Teyuna genannt. Denn José, unser Guide, erzählt uns viel über die Geschichte der Stadt & die Kultur der Wiwa.

José erzählt über Teyuna & den Wiwas

José erzählt über Teyuna & den Wiwas

Für den Stamm der Wiwa war Teyuna nie verloren. Sie ist und war weiterhin das spirituelle Zentrum aller vier hier ansässigen Stämme. Gerade erst trafen sich mehrere Schamanen dort ein, um für Regen zu beten. José war überzeugt und erklärte jeden Tag aufs Neue, dass es gleich regnen wird (dieser blieb zwar aus, ermutigte unsere Gruppe aber schneller voranzukommen).

José selbst ist in der Schamenenausbildung und hat bereits 6 seiner 12 Jahre hinter sich. Er erklärt uns, dass er viel lernen muss. Die Wiwa haben keine Bücher. Ihr Wissen behalten sie im Kopf. Arbeiten und Denken kann José nur mit dem Poporo, das jeder Mann zur Hochzeit erhält. Das Poporo ist ein flaschenartiger Behälter gefüllt mit Kalk, der aus verbrannten Muscheln gewonnen wird. Die Männer kauen auf Koka-Blättern und geben ein wenig Kalk des Poporos hinzu. Die Mischung hat eine tabakähnliche Wirkung.
José erklärt uns wie wichtig Teyuna für den Stamm ist und das er für jeden von uns um Zutritt zu der heiligen Stätte bitten muss. Wir stellen noch viele Fragen diesen Abend und gehen zeitig ins Bett.

Um die verlorene Stadt zu sehen

Um die verlorene Stadt zu sehen

Tag 3: Endlich geht es los. Vom letzten Camp ist es noch eine Stunde zur Stadt und die hat es in sich. Der erste Teil führt nur über Steine, dann überqueren wir noch einen Fluss und weil das bei der Hitze ja nicht anstrengend genug ist, geht es noch 1200 Stufen hinauf. Hier sehen wir eine von ca. 200 Terrassen, auf denen früher die Hütten der Bewohner standen. José arbeitet mit seinem Poporo und bittet um unseren Zutritt. Dazu müssen wir noch mit einem Kokablatt innerhalb eines Steinzirkels laufen und in Gedanken um Eintritt fragen. Wer das nicht richtig macht, kann krank werden. Das selbe gilt später beim Verlassen der Stadt.

Die Aussicht von der Hauptterrasse ist gigantisch. Um uns herum ist nichts, nur Dschungel, Palmen und ein riesiger Wasserfall. Wir sind die einzigen an diesem magischen Ort. Unvorstellbar, dass die Terrassen seit hunderten von Jahren existieren.

Anders als bei den Mayas gab es hier keine Menschenopfer

Anders als bei den Mayas gab es hier keine Menschenopfer

Blick auf die Hauptterrassen

Blick auf die Hauptterrassen

Ciudad Perdida

Ciudad Perdida

Nach der anstrengenden Wanderung ist es für uns kein Wunder, dass die Stadt 400 Jahre verloren war. Sie liegt mitten im nirgendwo und da müssen wir jetzt wieder raus…. Das heißt 1200 Stufen wieder runter und dann noch gute 6 Stunden Wanderung zurück. Irgendwann macht Chrissi’s Knie schlapp. Kommentar von Chris: Hast du den Gott nicht gescheit um Zutritt gebeten?

Wir verbringen einen letzten schönen Abend mit unserer Gruppe an einem weiteren Camp, das von 2 Wiwa Familien betrieben wird. Hier geht es wild zu: Pferde, Hunde, Hühner, Schweine, Katzen – alles läuft wild durcheinander. Ein kleines Mädchen spielt mit einer Machete, die so groß ist, wie sie selbst. So ist das Leben in der Wildnis. José zeigt uns noch, wie er aus einer Pflanze Fäden gewinnt und wie man Koka Blätter räuchert. Wir fragen später noch den Koch, ob er auch weiß wie man Kokain zubereitet. Seine Antwort “si, claro!”. Aber machen tut er es anscheinend nicht mehr.

Weiß ist die traditionelle Kleidungsfarbe der Wiwa

Weiß ist die traditionelle Kleidungsfarbe der Wiwa

Aus den Fasern eines Blattes gewinnt man Garn für Taschen

Aus den Fasern eines Blattes gewinnt man Garn für Taschen

Niederländer, Amerikanern, Schweizer, Belgier, Deutsche

Niederländer, Amerikanern, Schweizer, Belgier, Deutsche

Am nächsten Morgen geht es für uns zurück. Bei einer Pause lernen wir die 2 Papageien Paula und Lola kennen.

Guacamayos

Guacamayos

Christina hatte Knieschmerzen

Christina hatte Knieschmerzen

Nach 5 Stunden und kaputten Füßen kommen wir in Machete an und werden mit dem Jeep hinaus aus dem Dschungel, zurück in die Zivilisation gefahren – zu unserem Kartell-Basislager.