Nachdem wir fast eine Woche Wandern in den Bergen der Cordillera Blanca waren, geht es für uns weiter in den Süden Perus. Nach einer 8 stündigen Fahrt nach Lima wollen wir weiter bis Arequipa an der Küste. Wir klappern 5 Busgesellschaften am Terminal ab – doch wir bekommen von allen die selbe Antwort: ‘Heute ist nichts mehr frei!’ Unser Zeitplan ist schon knapp und eine Nacht in Lima wollen wir auf keinen Fall verbringen, also buchen wir spontan einen Bus ins 1070km weiter gelegene Cusco. Die Fahrt dauert 23 Stunden und zu unserem Leid sind wie immer Kinder und schlechte Filme mit dabei. Bei unserer einzigen einstündigen Pause bekommen wir dann auch noch das Bettenlager des zweiten Busfahrers zu sehen: eine kurze Matratze auf einer Holzpalette unten im Gepäckraum. Wie ein Wunder kommen wir dann auch noch irgendwann an. Damit haben wir mit insgesamt 1475km unsere bisher längste Strecke zurückgelegt, umgerechnet für ganze 32€ p. P.

In Cusco angekommen brauchen wir erst mal Erholung und gutes Essen. Unsere kulinarischen Höhepunkte sind das französische Alpaca Bourgignon, Alpaca – Burger und Quinoa, auch Inkareis genannt. Bis zum cuy (Meerschweinchen) können wir uns aber auch hier nicht durchringen.

Wir lassen uns durch die Märkte treiben, probieren interessante Mützen und Alpacapullis und fallen auf typische Touristenfallen herein. Das Foto mit Baby-Alpaca kostet uns z. B. 4 Soles. Auf gar keinen Fall sollte man jedoch den Schuhputzern vertrauen. Der Preis ist angeblich 4 Soles. Nach 4 Monaten Reisen hatten unsere Schuhe eine Reinigung bitter nötig und Chris hat sich nicht 2 mal fragen lassen. Am Ende stellte sich dann heraus, dass seine Sneakers ein besonderes Material haben und deshalb 24 Soles kosten. Denselben Trick haben wir weitere Male beobachtet!

Mercado San Pedro - Cusco

Mercado San Pedro – Cusco

Von Cusco fahren wir weiter nach Ollantaytambo, einem kleinen Inkadorf im Sacred Valley. Dieses liegt umgeben von Bergen und Inkaruinen am Fluss Urubamba. Das Städtchen ist trotz vieler Touristen wirklich niedlich und sehenswert, bevor man sich von hier zum Machu Picchu aufmacht. Touristisch sind leider auch die Preise. Nach Aguas Calientes, dem Ausgangspunkt zu Machu Picchu, gibt es keine Straße und wir nehmen den überteuerten Zug. Die 1,5 stündige Fahrt mit dem Inkarail von Ollan nach Aguas Calientes kostet uns p.P einfach 57 USD (für Peru utopisch wenn man diese beispielsweise mit unserer 1400km Fahrt für 32€ vergleicht). Dafür wird uns eine unvergessliche Anden-Experience mit leckeren Snacks versprochen. Uns hätte schon gereicht wenn wir Sitzplätze nebeneinander bekommen hätten, aber das wird bei diesem Preis nicht garantiert. Immerhin sind wir im selben Waggon und können Mitreisende überreden Plätze zu tauschen und machen dabei nette Bekanntschaften.

Aguas Calientes ist nicht schön, zu teuer und zu touristisch. Wir gehen direkt ins Hostel und kurz darauf schlafen, unser Wecker klingelt um 4 Uhr morgens, denn wir wollen zu Fuß zum Eingang des Machu Picchu’s laufen und nicht den Bus nehmen. Mit Stirnlampen machen wir uns also in dunkelster Dunkelheit auf den Weg (den wir nicht kennen, doch wir folgen einfach den anderen Stirnlampen). Nach einer halben Stunde erreichen wir ein verschlossenes Tor vor einer Brücke, die erst um 5 Uhr öffnet. Wir gehören zu den ersten, doch nach ein paar Minuten bildet sich bereits eine riesige Schlange hinter uns. Pünktlich um 5 öffnet sich das Tor zum Inkaweg und nach einer kurzen Ticketkontrolle laufen alle hastig los. 1,5 Stunden soll der Marsch dauern; wir kommen nach 50 Minuten, schweißgebadet und zeitgleich mit dem zweiten Bus an. Die Besucherzahl ist auf 2500 pro Tag beschränkt (Wayna Picchu und Macchu Picchu Mountain 400) und wer diesen magischen Ort ein wenig für sich haben will, muss früh dran sein. Und ja, als wir dann endlich da sind, müssen wir zugeben, der Aufwand hat sich gelohnt.

Machu Picchu

Machu Picchu

Wir haben ebenfalls ein Ticket für Machu Picchu Mountain (bessere Aussicht als Wayna Picchu) und machen uns direkt um 7 Uhr auf den Aufstieg. Wir brauchen 1,5 Stunden für die 6-700 Höhenmeter. Der Weg ist sehr anstrengend (besteht nur aus Inka-Treppen) und es ist zu empfehlen so früh wie möglich zu gehen, wenn es noch ein wenig kühler ist. Doch die Aussicht lohnt sich!

Machu Picchu Mountain

Machu Picchu Mountain

Machu Picchu - Aussicht von Machu Picchu Mountain

Machu Picchu – Aussicht von Machu Picchu Mountain

Danach gehen wir mit zitternden Knien zum Eingang zurück und holen uns erst einmal ein stark verdientes Bier – das teuerste Perus (es gibt sogar Erdinger 🙂 ). Das Mitbringen von Essen (und angeblich auch Wasser in Plastikflaschen) ist übrigens verboten, doch niemand kontrolliert uns und wir sehen viele Leute mit Wasserflaschen. Nach unserer Mittagspause gehen wir noch einmal zurück und sehen uns die Ruinen und die “Hängebrücke” der Inka an.


Gegen 16 Uhr machen wir uns auf den Rückweg nach Aguas Calientes. Vor den Bussen stehen lange Schlangen und wir gehen zu Fuß. Todmüde steigen wir in den letzten Incatrail nach Ollantaytambo ein. Wir haben wieder keine Sitzplätze nebeneinander, doch die Snacks sind wie versprochen gut…

Inkarail in Aguas Calientes

Inkarail in Aguas Calientes

In Ollantaytambo können wir mit einem peruanischen Guide und seiner Familie zurück nach Cusco fahren. Er erzählt uns, dass er den Inkatrail schon über 100 mal gelaufen ist und dass sich am Machu Picchu einiges ändern wird. In naher Zukunft soll man nur noch die Möglichkeit haben, die Ruinen mit einem Guide in einer Gruppe zu besichtigen. Außerdem wird darüber nachgedacht, die Ticketpreise zu verdoppeln und Machu Picchu den “reichen” Touristen vorzuenthalten, um das Weltkulturerbe mit geringeren Besucherzahlen zu schützen. Machu Picchu ist wirklich überlaufen und Aguas Calientes stößt an seine Grenzen. Als Alternative können wir den wenig touristischen Norden empfehlen, der für uns das Highlight der Peru Reise bleibt.

Zurück in Cusco entdecken wir ein kleines Suppenrestaurant, in dem wir uns mit den riesigen Backpacks aufwärmen (uns steht heute noch eine Nachtfahrt nach Bolivien vor). Chris war zwischenzeitlich Geld holen und erzählt wie die Schwester des Guides aufgeregt durch die Straßen lief, um uns zu suchen. Wir haben 10 Soles (2,60€) zu viel für die Fahrt bezahlt und die wollte man uns zurück geben! Wir haben dieses Volk in unser Herz geschlossen.

Goodbye Peru!