Kurzfristig entschließen wir uns von Cuenca nach Vilcabama, einem kleinen Bergdorf im Süden Ecuadors, zu fahren. Die Fahrt mit dem Shuttle über hohe Bergpässe dauert 6 Stunden und ist sehr bequem. Pünktlich zum Sonnenuntergang treffen wir in Vilcabama ein und, wie so viele Reisende vor uns (nicht wenige bleiben für immer), sind wir sofort in die Gegend verliebt.

Vilcabamba Sonnenuntergang

Vilcabamba Sonnenuntergang

Unser Hostel mit Restaurant, das Izhcalyuma, liegt mit bester Aussicht ein wenig außerhalb des Dorfes und zu meiner größten Freude gibt es… Trommelwirbel….. Handgemachte Spätzle in Champignonrahmsauce! Der Besitzer ist Deutscher und das Hostel ist das organisierteste, in dem wir auf dieser Reise gehaust haben. Es gibt sogar eigenst markierte Wanderwege und farbig gedruckte Wegbeschreibungen. Leider können wir am Ende weniger wandern als geplant. Mein erster und letzter Pisco Sour (Peruanisches Nationalgetränk mit rohem Eiweiß) gibt mir einen Tag Totalausfall. Was mich nicht daran hindert am Abend wieder Spätzle zu bestellen … 🙂

Vilcabamba Panorama

Vilcabamba Panorama

Grenzübergang Ecuador - Peru Am nächsten Tag wollen wir nach Peru, können uns aber nicht entscheiden auf welchem Wege. Die einfache Variante wäre zurück nach Loja und von dort direkt nach Piura zu fahren. Die abenteuerliche Variante führt über die Berge am Regenwald Ecuadors entlang. Dafür muss man zuerst einen Bus nach Zumba (6Std.) nehmen, in eine Ranchera (offener Bus) nach La Balsa (1 Std.) umsteigen, über die Grenze laufen und mit einem Colectivo nach San Ignazio (1Std.) fahren und dort übernachten. Am nächsten Tag mit einem Colectivo nach Jaen (3Std.), mit einem Tuktuk das Terminal wechseln und von dort mit einem Colectivo nach Bagua Grande (1Std). Dort mit einem Colectivo nach Chachapoyas (3Std.), der ersten “größeren” Stadt. Raik, der deutsche Besitzer drückt uns einen Ordner mit detaillierten Beschreibungen und Kopien in die Hand: “Die Bergstraße nach Zumba ist zum Teil noch in Konstruktion, aber alles machbar! Die Landschaft ist der Wahnsinn.” Wir entscheiden uns für Variante zwei: Abenteuer!

Bergdorf an der Grenze zu Peru

Bergdorf an der Grenze zu Peru

Der Bus fährt an Vilcabama zwischen 6 und 6.45 Uhr morgens vorbei. Pünktlich um 6 stehen wir da – der Bus kommt um 6.45 und Platz gibt es auch keinen mehr. Nach einer halben Stunde haben wir zumindest einen ergattert, den wir uns für die nächsten Stunden teilen. Noch vor 8 Uhr läuft ein Film, der in Deutschland nicht unter FSK 16/18 laufen würde. Gut, dass wir uns erst vor kurzem das 38 Stunden Hörbuch “Der Schwarm” von Frank Schätzing zugelegt haben… Ohrenstöpsel rein und Landschaft genießen. Nach etwa 3 Std endet dann auch die Teerstraße und es geht holprig weiter, hin und wieder durch kleine Bergbäche und Matsch. Irgendwann stehen wir ganz, alle schauen aus dem Fenster. Die Straße ist wegen Bauarbeiten komplett geschlossen und öffnet wieder in einer Stunde. Also aussteigen und Beine vertreten. Es geht weiter. Zumindest kurz. Wir bleiben mit dem Bus im Matsch stecken. Aber glücklicherweise stehen überall Bagger herum und wir werden raus gezogen…

Im Ranchero nach Peru

Im Ranchero nach Peru

Gerade noch rechtzeitig schaffen wir es in die Ranchera nach La Balsa und werden schön eingestaubt. Manche Abhänge sind für meinen Geschmack etwas zu steil für das alte Gefährt aber wir kommen lebend an der Grenze an. Endlich. Wir sind die einzigen Touristen weit und breit und das Ausstempelbüro ist ziemlich heruntergekommen. Es dauert eine Ewigkeit bis der Beamte (der mit seinem zerschlissenen Outfit nicht die Autorität eines Grenzpostens an den Tag legt) unsere Daten in eine Excelliste eingetippt hat. Wir überqueren die Brücke nach Peru und ein Mann kommt uns rufend entgegen: “Wartet auf mich. Soy el derecho. Ich bin das Recht. Ich komme gleich wieder. Ihr bekommt eure Stempel bei mir.” Hastig läuft er rüber nach Ecuador. Das Migrationsbüro ist leer, also holen wir uns erst mal ne Cola und wechseln unsere letzten Dollar in Peruanische Sol. Irgendwann kommt “das peruanische Recht” aus Ecuador wieder zurück und wir füllen unsere Einreisepapiere aus und lassen diese in einem anderen Gebäude von dem ersten Beamten in Uniform bestätigen. Aber auch er scheint nicht viel zu tun zu haben, ist er doch gerade mit seinem Arbeits-PC auf Facebook.

Ecuador - Peru

Ecuador – Peru

Von jetzt läuft alles nach Plan. Wir schlafen zu zweit für 25 Sol (ca 6€) in San Ignazio und fahren am nächsten morgen um 6 Uhr weiter. Einzig der Terminalwechsel mit Tuktuk bei Regen hätte angenehmer verlaufen können. Die Landschaft ist für mich die schönste, die wir bisher auf unserer Reise gesehen haben. Berge, Gipfel, Schluchten, Palmen, wilde Flüsse, keine Menschen weit und breit. Alles ist so groß und weit und ursprünglich. Nachmittags kommen wir müde und erschöpft in Chachapoyas an. Nach dem ganzen Bus fahren haben wir erst mal einen 4 Tageshike in der Umgebung gebucht. Neue Berichte folgen bald 🙂