Nach ein paar sonnigen Tagen in Quito wollen wir endlich unsere geplante Dschungeltour buchen. In einem Reisebüro verspricht uns eine freundliche Angestellte ein unvergessliches Erlebnis im Amazonas-Gebiet – und mit viel Glück, fügt sie hinzu, werden wir auch Anakondas, Vogelspinnen und Kaimane in freier Natur antreffen. Ein (Alp?-) Traum wird wahr 😐

Flug nach Lago Agrio

Flug nach Lago Agrio

Ecuador ist ein kleines Land, doch die Anfahrt ins Regenwaldgebiet mit dem Bus dauert lange und so entscheiden wir uns spontan, zu fliegen. Ganze 40 Minuten dauert unser Flug nach Lago Agrio, ein kleines Städtchen, das nicht so wirklich in die wilde Landschaft zu passen scheint. Von hier werden wir mit einem Bus zu “El Puente” gefahren, einer kleiner Brücke im letzten Ort mit Zivilisation. Unser Guide William wartet schon auf uns, er packt unsere Sachen, Wasser, Bier und Essensvorräte in ein schmales, aber 12m langes Motorboot.

Anakonda

Anakonda

Dann steigen wir, eine Argentinerin und ein Ecuadorianer mit ein. Bis zur Lodge sind es 1,5 Std auf dem Cuyabeno River und schon nach 15 Minuten sehen wir unsere erste Anakonda. Nicht so groß wie erwartet, aber wenn man nur noch 30cm davon entfernt ist, hat man doch irgendwie Respekt 😉

Bis zur Lodge sehen wir noch 3 verschiedene Affenarten, eine weitere Anakonda und viele Vögel. Unser Ziel erreicht, wartet auch schon die nächste Überraschung. In den Strohdächern der Lodge sitzen nicht ganz so ansehnliche Vogelspinnen. Ich frage William ob die auch in den Schlafräumen sind. William: “Ja, aber die bleiben oben im Dach sitzen!”… Wieso mussten wir unbedingt 4 Nächte buchen?

Paddeltour, Cuyabeno River

Paddeltour, Cuyabeno River

Am Abend machen wir uns auf zu unserer ersten Fahrt in die “Laguna Grande”. Insgesamt gibt es 14 solcher Lagunen in dem Cuyabeno-Reservat. Die großen Seen entstehen während der Regenzeit und liegen für 2 Monate im Jahr trocken. Die restlichen 10 Monate ist der Dschungel vom Wasser verschlungen und lockt eine Vielzahl von Arten an, wie zum Beispiel den rosa Süßwasser-Delfin. Wir haben das Glück ein paar von Ihnen zu sehen, denn im Gegensatz zum normalen Flipper (der weitaus besser aussieht), kann der rosa Delfin nicht springen und kommt nur zum Atmen an die Oberfläche. Dann gibt es da noch die Kaimane, Wasserschlangen und Riesenfische. Wir fahren in die Mitte des Sees: Badezeit! Wir können uns noch nicht überwinden reinzuspringen, es ist doch ein bisschen gruselig. (Auch William hat keine Lust, er geht ja fast jeden Tag. Er erzählt uns lieber wie er ganz in der Nähe einen Kaiman mit einer Anakonda kämpfen sah…)

Laguna Grande, Cuyabeno Reservat

Laguna Grande, Cuyabeno Reservat

Die nächsten Tage machen wir abenteuerliche Ausflüge mit dem Boot. Bei einer Nachtwanderung hat man die Möglichkeit überdimensionale Spinnen auf sein Gesicht zu setzen. Bei einem Tages-Hike durch den Wald lernen wir, welche Pflanzen man rauchen kann und, dass man sich vor Riesenameisen in Acht nehmen muss (ein Biss schmerzt angeblich so stark wie ein Pistolenschuss). Außerdem müssen wir durch den Matsch waten, was für mich und die Argentinerin mit Schuhgröße 38 nicht ganz angenehm ist. Unsere Gummistiefel sind niedriger als die der anderen und wir stehen bis zu den Knien im Matsch. An einem Tag besuchen wir ein Dorf der Ureinwohner und backen Yuca-Brot. Im Anschluss schauen wir noch bei einem Schaimanen vorbei, der 2 Mädchen negative Energien austreibt. Die Prozedur ist nicht ganz schmerzfrei.

Jeden Abend fahren wir in die Lagune zum schwimmen (ich geh auch einmal) und sobald es dunkel ist, gehen wir mit Taschenlampen auf Kaiman und Schlangensuche. Unsere Guides erkennen kleine Boas schon von 150 Meter Entfernung durch das schimmern der Augen im Licht der Taschenlampe. Danach fahren wir zurück in die Lodge, Abendessen. Heute haben wir nicht nur Vogelspinnen, sondern auch eine Schlange im Dach. Aber alle verhalten sich brav und bleiben im Stroh. Man gewöhnt sich an die Mitbewohner!

Schon ist unsere letzte Nacht vorbei und wir werden wieder zurück zu “El Puente” gefahren. Die Tour war wirklich ein unvergessliches Erlebnis und wir konnten so viele Tiere in freier Wildbahn sehen. Tucane, Brüllaffen, eine riesige Brilleneule, Adler… Chris ist glücklich, dass er so tolle Bilder geschossen hat (gar nicht so einfach auf einen schaukeligen Boot springende Affen zu fotografieren.) Und ich bin froh zu wissen, dass Anakondas eigentlich lieb sind und vor mir genauso viel Angst haben wie ich vor ihnen!

Springende Totenkopfäffchen

Springende Totenkopfäffchen

Ein weiteres unvergessliches Südamerika-Erlebnis von uns gibt es hier!