¡Buenas!
Von Copacabana folgen wir wie viele andere Touristen den Gringo-Pfad nach La Paz, der Hauptstadt von Bolivien. Mit einer Höhe von bis zu 4200m ist die Stadt außerdem die höchst gelegene Hauptstadt der Welt. Dementsprechend kalt ist es auch. Sowohl die Nacht, als auch jeder Meter, den man außerhalb direkter Sonneneinstrahlung zurück legt, lässt einen frösteln.

Fußgängerzone in La Paz

Fußgängerzone in La Paz

La Paz begegnet uns laut, dreckig und nackt: kaum eine Fassade ist zu finden, ja kaum eine Wand mit Anstrich. Für Farbe sorgen dafür mit Pinsel aufgetragene Wahlsprüche, die 1001 Touri-Stände, die alle irgendwie dasselbe verkaufen und – mein Favorit – super bunte und super laute Ami-Busse aus den 60er und 70er Jahren. Ironischerweise werden diese massiven Gefährte der Marke Dodge oder GMC hier “micro” genannt.

GMC micro bus

GMC micro bus

Die Abgase und Lautstärke des gesamten Verkehrs ist horrend (selbst in Lokalen an der Straße is man weder von dem einen noch vom anderen geschützt) und wir vermissen Diesel-Partikelfilter, Hybrid-Busse und ja, sogar alle Ingolstädter Audi-RS 1 bis 8 Proleten können da sogar vereint nicht mithalten bei dem Krach.
Nunja, jedenfalls können wir die kostenlose RedCap-Tour empfehlen, die täglich gegen 11 Uhr startet und ein paar sehenswerte Orte samt wissenswertes Wissen vermittelt. Bspw. das San-Pedro-Gefängnis, welches ausschließlich von Insassen geführt wird, und eher einer Kommune gleicht (dessen Haupteinkommen angeblich die Herstellung von “Kunstschnee” ist). Ja selbst Obdachlose gibt es dort, im Gefängnis. Einen Einblick in das Leben in San Pedro gibt das Buch Marching Powder. Wir haben es nicht gelesen. Und einige andere auch nicht, aber es gibt bereits Gerüchte um eine Verfilmung des Buches mit Brad Pitt als Regisseur 🙂

La Paz - Free Red Cap Tour

La Paz – Free Red Cap Tour

Außerdem ist der Besuch des Hexenmarktes Pflicht. Hier werden allerlei Pulver, Potions, Rauchzeug und so weiter verkauft. Das Abstrusiste sind wohl aber die getrockneten Lama-Föten (Mehrzahl von Fötus, jap – richtig gelesen und kombiniert). Ziemlich bäh, aber die braucht man hier nunmal, um Pacha Mama (Mutter Erde) zu opfern. Beispielsweise beim Hausbau – dort werden die Überreste ins Fundament “eingearbeitet”. Bei sehr großen Häusern – so sagt man –  muss das auch gern einmal ein (lebender) Mensch sein. Was tut man nicht alles für’s transzendente Gleichgewicht 🙂

Hexenladen

Hexenladen

Das alles – samt Stadt – war mir aber ziemlich schnurz, denn ich wollte eigentlich nur auf die DEATH ROAD oder span. el camino de la muerte *teuflische Lache*
Zitat Wikipedia:

Die Yungas-Straße (spanisch el camino a los yungas oder el camino a las yungas) ist etwa 65 Kilometer lang und führt vom bolivianischen Regierungssitz in La Paz in das 56 km nordöstlich gelegene Coroico in die bolivianischen Yungas. In den 1930ern gebaut, galt die Yungas-Straße, bis im Jahr 2006 eine gut ausgebaute Umgehung eröffnet wurde, als gefährlichste Straße der Welt und trug den Beinamen Todesstraße (spanisch el camino de la muerte).

Von La Paz aus steigt die Straße zunächst bis auf den La-Cumbre-Pass in 4650 m Höhe an und fällt danach bis auf etwa 1200 m bei Yolosa kurz vor Coroico ab. Dabei windet sie sich in vielen Serpentinen über steile Berghänge. So vollzieht sich ein rascher Übergang vom kalten semiariden bis ariden Altiplano zum feuchten warmen Regenwald der Yungas, wobei fast alle Klimazonen Südamerikas durchquert werden.

Kurz: mit dem Mountain Bike geht es der offiziell gefährlichsten Straße der Welt auf einer Strecke von guten 60km etwa 3500 Höhenmeter bergab, die meiste Zeit dabei auf einer unbefestigten Holperpiste, direkt am Abgrund zu dichtem Regenwald *nochmals teuflische Lache*.
Wir besuchen einen der vielen Tour-Anbieter (Barracuda Bike Tours), um den Ausflug zu buchen. Mit allen Infos und Flyer verlassen wir das Büro. Bedenkzeit. Chrissi war sich aus verschiedenen Gründen und von vornherein nicht sicher, ob sie denn mitradeln wolle. Ich selbst habe sie erst auch davon abgeraten. Allerdings kann man jederzeit vom Rad in den Begleitbus und damit die – sehr enge, sehr steil abfallende, bei dem schon so viele Fahrzeuge abgestürzt sind – DEATH ROAD bezwingen. Somit (plus nem Steak und Bierchen) waren dann auch alle Zweifel ausgeräumt, Chrissi ist dabei. Immerhin gibt’s auch ein T-Shirt.
Zwei Tage später geht es ganz unspektakulär in einem italienischen Kaffee um die Ecke unseres Hostels mit Frühstück los. Gnadenbrot. Danach in den Begleitbus. Es ist noch sehr früh und so dösen alle vor sich hin, bis wir 2h später auf 4600m stoppen. Es geht los – mit idealen Wetterbedingungen.
Einweisung für alle: Lenker, Pedale, Bremse hinten, Bremse vorn (nicht zu fest ziehen), Schaltung. Einfahren, Sattel einstellen. Eine Minute sitze ich auf dem Fahrrad und die Kette platzt. Nungut, es geht ja eh bergab. Schnell wird sie repariert. Irgendwann geht’s dann los, die ersten Kilometer verlaufen auf der Asphaltstraße, samt Verkehr und viel zu vielen Fahrrädern! – bis zum Ende der Asphalt-Etappe habe ich ca. 40 andere Ausflügler überholt. Chrissi findet das Bergab fahren gut und Spaß an der Geschwindigkeit. Nach der kurzen Schotterpassage, die man an einem Tunnel bewältigen muss, sind allerdings Vorbehalte bei ihr zu erkennen.
Pippi-Pause. Man muss Tickets kaufen, danach geht’s im Bus weiter, da die nächsten 15km eher eben oder sogar mit Anstieg geprägt sind. Im Bus werden die Eindrücke verarbeitet und das gewonnene Adrenalin verwandelt sich in Heiterkeit. Danach Dirt Road. Wir steigen aus und sehen die DEATH ROAD zu unseren Füßen.

Camino de la muerte

Camino de la muerte

Bis hin zum Horizont kann man den Weg wie eine Narbe an den Bergwangen sehen. Wir bekommen eine weitere Einweisung, bei der uns einer der beiden Guides erklärt, wie wir mit den Bedingungen umzugehen haben. Außerdem Foto-Posing in gesamter Fahrrad-Montur vor dem weitläufigen Hintergrund. Ich bleibe bei Chrissi während der kurzen Abfahrt. Dann Stopp, wieder Fotos, Einweisung für die nächste Passage. Gemütliche Weiterfahrt an Chrissis Seite. Wieder Stopp, Fotos, Einweisung. Chrissi fühlt sich nun sicherer auf dem Fahrrad und ihr Spaß wächst von Etappe zu Etappe.

Chrissi durchfährt Fluss

Chrissi durchfährt Fluss

Fortan klemmte ich mich direkt hinter den Guide, der bolivianischer Downhill-Meister ist. Zwei Mal waren dann die Kurven zu Eng für meine Geschwindigkeit und ich musste am Wegrand abbremsen. Außerdem gab es zwei Platten in unserer Gruppe, drei defekte bzw. teils defekte Schaltungen und einen Sturz, bei dem sich der Fahrer die Hand aufschlitzte (die Handschuhe waren oft auch löchrig und abgegriffen). Die DEATH ROAD forderte Blut. Doch dabei blieb es.
Im Tal angekommen hat es jedem viel Spaß gemacht. Wir kühlen uns am Fluß ab, sehen dabei ein paar Brüllaffen in der Ferne, dann gibt’s eine kalte Dusche und danach das verdiente Bier (welches es gegen Riesenpapageien zu verteidigen galt). Bei leckeren Spaghetti können wir auch schon Fotos und Videos des Ritts auf dem WM-Fernseher bewundern.
Mit der Hilfe von Cuba Libre aus 2L Flaschen, Dosenbier, Kokablättern, allerlei Knabberei und guter Musik verwandelt sich unser Bus auf dem Rückweg in eine Partyzone. Wir stoppen unzählige Male, um der Natur freien Lauf zu lassen. Geflasht von der guten Laune aber zu alt um später noch im Loki mit dem jungen Gemüse abzuhängen, steigen wir nach 3h feiern/fahren glücklich aus. Fazit: eine sehr, sehr geile DEATH ROAD.

Zum Schluss noch für andere Reisende;
– Death Road Anbieter: Barracuda Bike Tours – Preis Bol.500pP
– Hostal Cruz de los Andes, Bol.200 für ruhiges Doppelzimmer, warme Dusche & bequemen Bett. Frühstück inkl.