Ja, wir leben immer noch! Aktueller Stand : Eine Woche auf See und 40 Pillen gegen Seekrankheit später – ruhige Einfahrt in den Hafen der kolumbianischen Kolonialstadt Cartagena. Aber alles von vorne.. Nach einer 10 stündigen Busfahrt kommen wir morgens um halb 6 in Panamá City an und erfahren kurzerhand, dass heute auch noch Präsidentschaftswahlen anstehen. Flaggen der Parteien wehen aus hupenden Autos und Livebeiträge werden auf überdimensionalen Bildschirmen an Wolkenkratzern übertragen. Panamá City erinnernt mit seiner Skyline fast an New York. Erst die eigentliche Panama-Stadt, das “Casco Viejo”, zeigt seine Einflüsse spanischer Kolonialzeit. Die farbigen Kolonialbauten sind heruntergekommenen oder im Aufbau und in kleinen Läden verkaufen Panamaer gefälschte Panamá Hüte Made in Colombia.

Natürlich dürfen wir Panamá nicht verlassen, ohne einmal den Panamakanal gesehen zu haben. Am Miraflores Aussichtspunkt kann man für 15 Dollar beobachten, wie Frachtschiffe den Meeresspiegel von zwei Ozeanen überwinden. Gigantisch. Bei unserer Ankunft fährt gerade ein Frachtschiff mit deutscher Flagge ein. Die Latino-Crew winkt und stellt sich für ein Foto bereit. Doch das eigentliche Abenteuer beginnt erst in Portobelo, angefangen mit unserer Übernachtung in der Absteige “Captain Jack’s”. wpid-dsc02609_20140516220723511.jpg Besser man berührt in diesem Hostel so wenig wie möglich. Wäre Chris nicht schon krank gewesen, hätte ich gesagt er ist es hier geworden. Wenigstens ist der “dauer – stoned” – Besitzer so nett uns einen Trank aus den Blättern der Guanábana Pflanze zu mixen, die ein lächelnder Einheimischer (mit nur einem Zahn) extra für uns besorgt hat. Wir hoffen es wirkt, denn am Abend geht es bereits auf die Mintaka, das Segelboot das uns, eine Schweizerin und 5 Australier sicher nach Kolumbien bringen soll. Mit kurzem Abstecher auf die Bilderbuchinseln San Blas. Da es keinen nutzbaren Grenzübergang von Panamá nach Kolumbien über den Landweg gibt, bleibt auch nicht mehr übrig als den Seeweg oder einen Flug zu nehmen. Doch einmal San Blas gegoogelt, fällt die Entscheidung nicht schwer. Die erste Nacht verbringen wir noch im Hafen (vielleicht um uns an das Geschaukele zu gewöhnen) und früh morgens geht es los. Die See ist laut Manfred und Petra, die beiden deutschen Besitzer des Bootes, ruhig. Wenn das ruhig ist, frage ich mich, wie ich die nächsten 6 Tage überstehen soll. Noch vor dem Frühstück übergebe ich mich über die Reling der bis dahin weiß glänzenden Mintaka. Chris sieht mich nur bleich an: Gleich 2 Pillen? Ja! Doch noch am Abend kommen wir in einer ruhigen Bucht von einer der 365 Inseln der San Blas an (SIEHE FOTOS !!!).

3 Tage verbringen wir mit Schnorcheln, Inselhopping und leckerem Essen. Petra ist eine ausgezeichnete Köchin und serviert uns täglich eine erstklassige Mahlzeit. Heute gibt es frischen Hummer, den wir von Einwohnern (genannt Kunas) der Inseln kaufen. Kaum zu glauben, dass auf diesen kleinen Inseln Menschen leben. Manche sind nicht größer als die sprichwörtlich einsame Insel. An Touristen haben sich die Kuna gewöhnt und verkaufen uns frische Coco Loco: Kokosnuss mit Rum. Das Leben der Kuna ist kein leichtes. Noch vor 10 Jahren gab es wenig Touristen und keine Bootsmotoren. Heute gibt es Handys, aber noch keinen Strom. Manfred und Petra müssen immer wieder Akkus aufladen. Doch am schlimmsten ist der Anstieg des Meeresspiegels. Die erste Insel wurde bereits evakuiert. Manfred, der sein Leben seit 23 Jahren auf der See verbringt, sagt uns, dass in spätestens 30 Jahren viele der Inseln ganz verschwunden sind. Am dritten Abend in den San Blas geht es für uns Richtung Kolumbien. Auch unser Eis zum Bier kühlen ist mittlerweile geschmolzen (Die Australier haben inzwischen über 3 Liter Wodka und 2 Kuna Inseln geleert – allerdings gab es in der einzigen Bar auf einer der Inseln nur noch 6 Dosen Bier). Wegen wenig Wind brauchen wir für die 200 Seemeilen ganze 48 Stunden nach Cartagena. Noch ein paar Pillen und wir schlafen (purzelnd) ganze 12 Stunden durch, obwohl unser Bett im Bug liegt und die lange Überfahrt ist angenehmer als gedacht. Auch sind wir froh die Mintaka erwischt zu haben. Die beiden haben über 20 Jahre Erfahrung auf See und überladen ihr Boot nicht wie andere Anbieter, die zum Teil 24 Leute auf einen Katamaran pressen und trotzdem den selben Preis verlangen. Und Petras Küche überzeugt. Danke für die tolle Zeit!

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Unser nächster “Ausflug” ist bereits geplant, lasst euch überraschen 🙂