Uns wird empfohlen, nicht per Bus von Sucre weiter nach Santa Cruz zu reisen. Die Fahrt dauert laut dem Besitzer unseres Hostels gute 15 Stunden und die Straße sei nicht wirklich befestigt.
Wir lassen es auf den Preis für einen Flug ankommen. Wir bekommen außerdem noch den Tipp, nicht über Internet, sondern in einem Tourismus-Büro zu buchen. Und tatsächlich können wir zwei Tage im Voraus günstigere Tickets ergattern als ein frisch vermähltes Pärchen, das schon Wochen im Voraus im Internet gebucht hatte.


Und so treten wir zwei Tage später in das bolivianische Flugzeug. Wir dürfen, anders als in Europa oder USA erlaubt, Getränke mit in die Kabine nehmen. Dafür überprüft ein netter Herr genauer unser Handgepäck auf Drogen (habt ihr schonmal jemanden gesehen, wie er Tampons ans Ohr hält und diese schüttelt?). In Santa Cruz angekommen, stellen wir fest: unser restliches Gepäck ist ebenfalls sichtlich durchsucht worden. Einige Verschlüsse waren sogar noch offen.

Schon aus dem Flugzeug können wir sehen, dass Santa Cruz größer ist, als La Paz. Wir brauchen eine gute Stunde mit dem kleinen & billigen Bus vom Flughafen in die Stadt und stellen sehr bald fest, dass irgendwie alle größeren bolivianischen Städte sich sehr voneinander unterscheiden: La Paz ähnelt eher den Kleinstädten im Altiplano – laut, chaotischer Verkehr, Straßenverkäufer, unvollendete Häuser mit ziegelnackten Wänden. Sucre könnte dagegen auch in Südspanien liegen – wunderschöne Plazas, die Häuser haben Farben und Fassaden, es gibt europäische Architektur, Museen und Restaurants, die mehr anbieten, als Reis oder Pommes. Santa Cruz zeigt sich nun großstädtisch, amerikanisch. Breite Straßen führen vom Flughafen in die Stadt, links und rechts gesäumt von Autohändlern, mittelständischen Unternehmen, Fastfood-Ketten. Weiter im Zentrum dann Alleen und Herrenhäuser, Einkaufspassagen, Eisdielen, Restaurants und Kaffees. Und selbst die kleineren Städte, wie z.B. Tupiza und Tarija, können kaum unterschiedlicher sein.
Leider liegt Santa Cruz wohl aber noch zu weit ab vom Standardbackpacker-Pfad, denn die Hostel-Auswahl ist ziemlich beschränkt. Und teuer. Wir entscheiden uns fürs Jodanga Hostal (es ist warm und da war ein Pool auf dem Bild). Wir haben bereits im Voraus von anderen Reisen von den komfortablen Wohncontainer gehört, in dem wir für eine Nacht unterkommen (ausgebucht). Wir informieren uns über das Refugio Volcanes, aber die USD65 p.P. waren uns zuviel des Guten.
Stattdessen fahren wir am nächsten Tag per Collectivo nach Samaipata und verbringen dort vier Nächte in einem 5qm großen Raum in einer Lehmhütte – für weniger als USD10 p.P. In der Kleinstadt gibt es abends sogar Jazz und die ganze Atmosphäre kann man einfach nur als total chillig beschreiben. Wir unternehmen zwei Wanderungen, die schön, aber nicht überwältigend waren, und einen Tag einfach mal gar nichts 🙂

 

24 Stunden Blockade

24 Stunden Blockade

Am Tag der Rückfahrt nach Santa Cruz wollen wir noch die nahegelegenen Wasserfälle besuchen, aber der Taxifahrer erklärt uns, dass die Straße blockiert sei.. Für 24 Stunden. Zufall.. ? Pech.. ? Wäre ja nicht das erste Mal. Wir kapieren nicht ganz warum, aber wissen, dass es dieselbe Straße nach Santa Cruz ist. Deswegen entscheiden wir, dass das Planschen ausfallen muss – man kann wohl zu Fuß die Blockade umgehen und auf der anderen Seite ein Collectivo nach Santa Cruz nehmen. Kurz darauf stiefeln wir mit unseren Backpacks vorbei an endlosen Reihen von Bussen, Trucks, Familien, die Essen verteilen oder konsumieren, Fahrer, die in Hängematten im Schatten unter ihren Anhängern dösen und sonstigen Wartenden. Wir finden mehrere Barrikaden aus gefällten Bäumen und immer wieder große Steine auf der Fahrbahn – unsere Theorie einer Baustelle war dann jedenfalls dahin und ein Hoffen, dass wir ruhig und friedlich passieren können, wächst in uns.
Und dann steigen wir über einen weiteren Baumstamm, kurz dahinter wartet schon ein Collectivo mit Destination Santa Cruz..