Olaza's B&B - beste Dusche in 4 Monaten

Olaza’s B&B – beste Dusche in 4 Monaten

Den ersten Tag in Huaraz begehen wir äußerst gemütlich. Unser Zimmer im Olaza’s lädt zum Ausruhen ein (das erste Hostel, in dem wir Blumen im Zimmer haben), und wir nehmen die Einladung an. Nach so einer Nachtfahrt ist man nicht gerade ausgeschlafen.
Aber schon am nächsten Tag wollen wir in die Berge. Wir lassen uns von Johselm, dem Hotelbesitzer beraten. Und so buchen wir bei ihm einen Tagesausflug zum Bergsee “Churup” und die berühmte Mehrtagestour “Santa Cruz”.

Churup
Wir brechen schon gegen 8 Uhr mit dem Taxi nach Churup auf. Uns begleitet ein nettes Pärchen aus Kanada, welches wir bereits bei unserer Ankunft kennengelernt haben. Der Parkeintritt wurde in den letzten zwei Jahren verdoppelt, aber die Schotterstraßen sind weiterhin in einem unzumutbaren Zustand. Der Toyota Corolla (unser Taxi) setzt einige Male auf und meistens fahren wir nicht schneller als Schrittgeschwindigkeit. Die Aussicht auf die vier- bis sechstausender versüßen uns die langsame Holperfahrt. Nur die Erdrutsche, die wir entlang des Straßenrandes auf der gegenüber liegenden Seite des Canyons sehen, machen uns immer wieder ein wenig Angst. Immerhin fahren wir dort in ein paar Minuten auch entlang.

Auf dem Weg zu Laguna Churup

Auf dem Weg zu Laguna Churup

Das Taxi wartet auf uns am Kopf des Wanderweges auf unsere Rückkehr. Also etwa fünf Stunden. Der Weg ist geröllig und recht steil. Sowohl wir, als auch die Kanadier sind immer wieder außer Atem, was definitiv der Höhe zuzuschreiben ist (wir sind nämlich voll fit!!). Es geht über zwei Stunden hauptsächlich bergauf, inklusive klettersteig-ähnlicher Passage (nur so richtig trauen wir den teilweise aufgedröselten Drahtseilen nicht). Am Ende sind wir auf 4750m angekommen.

Es gibt tollen See, schöne Gipfel und leckere Leberwurstsemmeln. Wir sind happy. Eine halbe Stunde genießen wir das alles, unterhalten uns ein wenig spanisch mit einer anderen Wanderin und dann geht’s auch schon wieder runter vom Berg. Das Geröll ist unangenehm beim Abstieg und immer wieder rutscht der eine oder andere, kann sich aber fangen, ohne hinzufallen.
Müde fahren wir zurück.

Laguna Churup

Laguna Churup

Santa Cruz Trek – Tag 0
Den nächsten Tag ruhen wir nochmal aus. Wir fragen Johselm, wann wir denn abgeholt werden und lauter so Kleinigkeiten. Er aber zuckt mit den Schultern und dachte, wir bestätigen nochmals, dass wir wirklich den Trek machen wollen. Missverständnisse.
Er telefoniert ein wenig rum. Kurz darauf ist alles geregelt; wir sind für eine Tour eines anderen Anbieters eingeplant (die auch noch um einiges günstiger ist). Wir leihen noch die nötigen Polar-Schlafsäcke bei Johselm und sind erleichtert, dass alles doch noch geklappt hat, denn Verzug konnten wir uns nicht leisten, da wir gerade die Tickets für Machu Picchu gekauft haben. Wir kaufen noch nötige Dinge, die auf auf der Trekking-Checkliste stehen, wir aber nicht haben: Taschenlampe (die alte funktionierte nicht mehr), Pillen zur Wasseraufbereitung, Kopftücher gegen die starke Sonne und natürlich Proviant.

Santa Cruz Trek – Tag 1
Der Wecker klingelt um fünf. Das letzte Mal duschen in vier Tagen. Um sechs werden wir abgeholt und der Kombi (Mini-Van) ist sogar pünktlich. Wir fahren noch ein paar Hostels und Hotels an, um weitere Wanderer einzusammeln. Außerdem geht es nochmal am Büro der Tour-Agentur vorbei (MonTrek) – wir müssen ja noch bezahlen. Bei der Gelegenheit leihen wir noch einen Tagesrucksack für Chrissi aus. Dieser ist umsonst und besser als der, den wir vorher von Johselms Agentur bekommen hatten.
Das Büro machte einen guten Eindruck, aber mittlerweile waren wir schon zu vierzehnt im Auto. Eine große Gruppe, plus Fahrer, Guide und Koch. Wir machen uns Sorgen, denn bei so vielen Personen ist es wahrscheinlich, dass jemand von Höhenkrankheiten o. a. Verletzungen betroffen sein wird. Und ein einziger Guide kann sich nicht aufteilen, um mit Verletzten umzukehren und mit der Gruppe weiter zu gehen.
Die Toyota drängt sich durch den Verkehr, während wir versuchen, noch ein wenig zu schlummern. Wir sind gute zwei Stunden unterwegs, bis wir die Asphaltstraße verlassen und ins Parkgebiet auf schottriger Piste einfahren. Kurz darauf müssen wir in der Ranger-Hütte den Eintritt bezahlen (natürlich mit Ausweisnummer, etc.), halten später für ein paar Fotos an der “Laguna Llangnuco” und dann geht’s holprig und steil etwa eine halbe Stunde die Serpentinen bergauf bis zum Pass. Auf 4700m halten wir dort auf Passhöhe für Fotos. Ein atemberaubender Anblick. Links von uns mit 6354m der Chopicalqui und mit 6665m, 6768m Huascarán Nord und Süd. Rechts von uns, auf der anderen Seite des Tals (die Lagune, an der wir gehalten haben noch sichtbar, aber in weiter Ferne, tief unter uns), türmen sich weitere Gipfel mit Höhen um die 6000m, wie Chacaraju, Pisco und Huandoy. Die Sonne brennt fast unerträglich auf der ungeschützten Haut.

Bergpass auf 4700m mit Blick auf Laguna Llangnuco

Bergpass auf 4700m mit Blick auf Laguna Llangnuco

Wir steigen wieder ein. Nochmal eine Stunde Holperfahrt, wieder bergab, bis wir endlich angekommen sind. Es gibt noch ein paar Guacamole-Brötchen, sehen, wie unsere Lasttiere beladen werden und dann brechen wir auf für vier Tage wandern – bzw. jetzt nur noch dreieinhalb. Es ist Mittag und die Sonne strahlt stark. Aber der Weg ist anfangs wenig anstrengend und immer wieder gibt es schattige Passagen. Wir durchqueren ein paar Dörfchen und treffen Kuh- und Schafhirten. Und dessen Kinder. Den gesamten Weg kommen uns die kleinen Stöpsel entgegen und betteln um Süßes. In den Dörfern bieten die Kinder wiederum – auf Decken ausgebreitet Strick- und Hekelwaren an (wir sind aber bereits eingedeckt) . Wenn wir vorbei sind, packen sie wieder zusammen.
Der Weg geht die meiste Zeit unbeschwert weiter. Wir passieren Eselweiden und folgen einem Bach, bis wir gegen halb Fünf in unserem ersten Camp ankommen. Koch, Gepäck, etc. ist bereits vor Ort und nach wenigen Minuten steht das Küchenzelt, das Gemeinschaftszelt und auch die ganzen, kleinen Schlafzelte. Es gibt Tee und Zeit, unsere Gruppe besser kennenzulernen. Vier französische, frischgebackene Ärzte, zwei Engländerinnen, ein Amerikaner, eine Peruanerin und wir zwei – ein kunterbunter Mix.

Erstes Camp

Erstes Camp

Santa Cruz Trek – Tag 2

Santa Cruz Trek

Santa Cruz Trek

Sechs Uhr morgens. Die Nacht war kühl, aber nicht kalt. Wir frühstücken und packen. Einer der Franzosen hatte am Vorabend bereits gesundheitliche Probleme – ob von der Höhe oder dem Essen am Vortag ist nicht ganz klar. Jedenfalls geht er mit einer anderen Gruppe wieder zurück und wird dabei von einem seiner Freunde begleitet.
Tag zwei ist der anstregendste Wandertag. Wir müssen durch eine schmale Passage Namens “Punta Union” auf über 4700m und anschließend wieder ins Tal. Wir benötigen dafür etwa acht Stunden. Uns begegnen einige Esel, Pferde, Mulis und natürlich reichlich derer Exkremente.

 

Punta Union auf 4750m

Punta Union auf 4750m

Kurz nach Punta Union reicht uns Felix, der Koch, das Mittagessen. Dann geht’s zwei Stunden nur bergab. Als wir das Camp erreichen, liegen schon einige unsere Mitstreiter in der Sonne und erholen sich. Bald darauf gibt es wieder Tee – Coca-Tee, später Abendessen und lustiges Beieinander sein.
Wir stellen fest, daß wir zusammen mit John, dem pensionierten Amerikaner, die einzigen sind, die eine Viertages-Tour gebucht haben. Auch Jan, unser Guide, war dieser Fakt neu. Seine darauf folgenden Weg- und Zeitbeschreibungen waren nicht ganz eindeutig, aber klar war, dass sie den nächsten Tag ohne Guide und ohne Mulis etwa 10-12 Stunden unterwegs sein würden. Unsere neuen Freunde sehen nicht abgeschreckt aus, abgesehen von der Peruanerin, aber alle sind irritiert über die Informationspolitik des Tour-Anbieters – der hatte nämlich nichts von 10h auf eigene Faust erwähnt, übrigens zu gleichem Preis.

Camping Bella Vista

Camping Bella Vista

Die Gruppe verabschiedet sich zeitig zu Bett, denn um sechs geht es wieder los. Zeit für ein paar nächtliche Fotos und dann ging es auch für uns ins Bett, gleich neben weidenden Rindern und natürlich frei laufenden Mulis. Die Nacht wird kühler, da das Camp höher gelegen ist, als das erste. Aber unsere geliehenen Polarschlafsäcke halten uns ausreichend warm.

Nachthimmel

Nachthimmel

Santa Cruz Trek – Tag 3
Wir frühstücken noch alle gemeinsam und machen uns ebenfalls gemeinsam auf den Weg zum “Mirador”.
Der Mirador, oder dt. Aussichtspunkt, ist nach etwa einer Stunde leichtem Wandern erreicht. Von hier kann man den Gipfel sehen, der in den Paramount-Filmproduktionen eingeblendet wird. Außerdem die Rückseite des Alpamayo, den laut dt. Alpenverein schönsten Gipfel der Erde. Dazu noch weitere Gipfel und, weiter unten, das trockene Tal, welches wieder zurück Richtung Zivilisation führt.
Und hier verabschieden wir uns auch von den anderen, die anschließend auf sich selbst gestellt sind. Es gibt Umarmungen und ein paar Fotos als Andenken, dann marschiert die Gruppe Richtung bergab. Wir dagegen in Richtung Alpamayo.
Vom Basecamp des Alpamayo führt ein vergleichsweise vegetationsreicher Weg hinauf zu einer weiteren Lagune. Man kann das Eis der umliegenden Gletscher knacken hören. Wir sind froh, dass wir vier Tage gebucht haben, denn dieser Teil ist nochmal ein Highlight der Wanderung.


Nachdem wir uns ein wenig umgesehen und gevespert haben, drängt Jan darauf, dass wir wieder aufbrechen – wir haben noch einen langen Tag vor uns. Es ist bereits nach zehn Uhr und wir hätten noch etwa sechs Stunden vor uns. Es geht einen Teil der Strecke zurück und dann denselben Weg entlang, den die andere Gruppe genommen hat. Ins Tal.

Es sieht kürzer aus als es ist

Es sieht kürzer aus als es ist

Im Tal angekommen, erwartet uns erst eine Trockenebene, dann ein lang gezogener Bergsee, an dessen Ende Felix wieder mit dem Mittagessen wartet. Danach geht es an Weiden vorbei, Flüssen entlang und immer wieder kreuzen niedliche Bäche unseren Weg. Links und Rechts des Tals türmen weiterhin die Gesteinsmonumente. Aber nun meist nur noch grau und braun, ohne weiße Gipfel. Der nun stetig ebene Weg und der lange Tag ohne weitere Höhepunkte fordert gegen Ende unsere Geduld. Mit Jan und John weiter hinter uns, machen wir uns allmählich Gedanken, ob wir nicht sogar bereits am Camp vorbei gelaufen sind. Laut Jan’s Zeitangaben hätten wir längst da sein sollen und die Füße freuten sich auch schon auf den Feierabend. Doch dann sehen wir die Plastiktüte, die den Eingang des Camps markiert. Felix freut sich, endlich Gesellschaft zu haben. Seit fast zwei Stunden wartet er schon. Es ist bereits fünf Uhr. Wir verlieren ein paar Gedanken über die anderen – von hier aus sind es weitere zwei Stunden ins Dorf und dann weitere zwei Stunden mit dem Fahrzeug zurück nach Huaraz. Wir können ihnen nur wünschen, dass sie es noch rechtzeitig geschafft haben – bevor das letzte Gefährt das Dorf verlassen hat.

Santa Cruz Trek – Tag 4

Karawane

Karawane

Wir brechen wieder zeitig auf. Später wird es laut Jan unerträglich staubig, da viele Packtiere unterwegs sein werden und es schnell heiß wird.
Der Weg ist tatsächlich sehr staubig und bald laufen wir nur in T-Shirt. Bereits um sieben leuchtet die Sonne den gesamten Talabschnitt aus, in dem wir uns befinden. Insgesamt gibt es kaum noch sehenswertes hier, dafür malen wir uns bereits eine lange, heiße Dusche im Ozala’s Hostel aus. Auch Jan räumt ein, nach dem Trek gerne mal zu lange unter der Dusche zu stehen.
Im Dorf warten wir erst auf Felix mit den Mulis und dann auf ein Fahrzeug. Im Wagen ist es dann schnell still, als er aus dem Gebirge hinaus Richtung Stadt fährt. Selbst von hier, aus der weiten Ferne, ist die Cordillera beeindruckend. Und davor erstreckt sich von der entfernten Seite bis kurz vor die Wagentür, wo es gleich steil bergab geht, ein gewaltiger Canyon. Und ungefähr dort schloss ich dann die Augen, bis wir in Huaraz ankommen.